Weinheim

Superblitzer Fridolin: Warum in der Bußgeld-Stelle jetzt Personal aufgestockt wird

Das Rathaus erklärt, wie viele Autofahrer in die Falle gingen, warum die Stadt Follower der Blitzerseite auf Instagram ist und in der Bußgeldstelle Überstunden geschoben werden.

Effizient, da unscheinbar: Der Superblitzer Fridolin grüßt derzeit aus der Händelstraße die Autofahrer. Foto: Thomas Rittelmann
Effizient, da unscheinbar: Der Superblitzer Fridolin grüßt derzeit aus der Händelstraße die Autofahrer.

Die Arbeit geht ihm einfach nicht aus. Im Gegenteil: Jetzt sorgt der Superblitzer der Stadt Weinheim sogar für neue Arbeitsplätze. Der teuerste Fotograf der Zweiburgenstadt, den die Einwohner liebevoll „Fridolin“ getauft haben, produziert so viele Knöllchen, dass die Mitarbeiter in der Bußgeldstelle nicht mehr mit der Bearbeitung hinterherkommen. Sie schieben mittlerweile im großen Stil Überstunden. Nun will das Rathaus einen weiteren Kollegen einstellen.

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Das geht aus einem Änderungsantrag der FDP-Fraktion zum Haushalt 2024 hervor. In diesem regen die Stadträte an, ob das Rathaus nicht einfach eine Arbeitskraft aus einem anderen Bereich der Verwaltung in die Bußgeldstelle abordnen könne. In ihrer Antwort beschreibt die Verwaltung, wie sehr das aktuelle Knöllchen-Quartett auf dem Zahnfleisch geht: Die Arbeitsstundenkonten zeigten, dass die vier Mitarbeiter auf 78, 70, 57 beziehungsweise 40 Überstunden kommen. Summa summarum beliefen sich die Überstunden in der Bußgeldstelle auf 31,4 Tage – also einen ganzen Monat Mehrarbeit.

Wer ist schuld?

Einen Schuldigen hat das Rathaus auch schon gefunden. Den armen Fridolin: „Entgegen der beschriebenen Ansicht, dass die Kontrollen mit dem Enforcement-Trailer auf Dauer zu weniger Verfahren führen, müssen wir aktuell ein deutliches Plus an Verfahren und damit verbundenem Arbeitsaufwand in der Bußgeldstelle feststellen.“ Denn bei der Bearbeitung der Knöllchen sitzt den Mitarbeitern der Bußgeldstelle die Verjährungsfrist im Nacken. Um diese einzuhalten, sei es wichtig, zeitnah reagieren zu können: „Was mit den aktuell dreieinhalb Vollzeitkräften nicht mehr gewährleistet werden kann.“ Eigentlich, erklärt Rathaussprecher Roland Kern, bräuchte es eine weitere Vollzeitkraft, um dem Bedarf gerecht zu werden. Der Personalausschuss habe sich jedoch darauf geeinigt, eine Halbzeitstelle schaffen zu wollen, was für die Bußgeldstelle insgesamt vier Stellen mit fünf Mitarbeitern bedeuten würde.

Aber wie viele Knöllchen spuckte er in seiner etwa einjährigen Tätigkeit überhaupt aus, der Fridolin? Auf Anfrage lässt das Rathaus unserer Redaktion die Quartalsbilanz des mobilen Blitzers zukommen. Aus ihr geht hervor, dass Fridolin sage und schreibe 11 880 Schnappschüsse von zu schnellen Autofahrern machte. Sein arbeitsintensivstes Quartal war im Zeitraum zwischen April und Juni. In dieser Zeit löste der Enforcement-Trailer 3844 Mal aus. Allein in der Birkenauer Talstraße gingen ihm in dieser Zeit 1459 Autofahrer in die Falle. Die Tempo-30-Zone, die als Einflugschneise in den Odenwald dient, ist generell der Spitzenreiter unter allen Standorten. Auf Platz Zwei der teuersten Straßen für Autofahrer folgt die Grundelbachstraße. Dort wurden zwischen Juli und September insgesamt 1145 Fahrzeuge geblitzt.

Starkes Blitzlichtgewitter

Das stärkste Blitzlichtgewitter gab es im zweiten Quartal 2023 mit 3844 Fällen. Dicht gefolgt vom ersten Quartal (3416). Seit Juli gehen die Zahlen etwas zurück. Waren es im dritten Quartal noch 3170 Schnappschüsse, sind es im vierten Quartal nur 1450 gewesen. Rathaussprecher Kern erläutert, dass die Zahlen deshalb so rückläufig seien, weil Fridolin über Weihnachten Urlaub hatte.

Rathaussprecher Roland Kern Foto: Stadt Weinheim
Rathaussprecher Roland Kern

Fridolin ist mittlerweile übrigens eine kleine Berühmtheit und bleibt auf der Straße nicht lange unerkannt. Auf Instagram gibt es sogar schon ein eigenes Profil, das dem Blitzlichtgewitter in Weinheim gewidmet ist. Der Seite folgen immerhin 1157 Menschen, die ein Interesse daran haben, dem Enforcement-Trailer und anderen Radarfallen nicht auf den Leim zu gehen. Die Betreiber der Seite rufen ihre Nutzer auf: „Bitte informiert uns per DM (Englisch für direkte Nachricht; Anm. d. Red.), bei Polizei- und Blitzerkontrollen oder Ähnliches.“ Alle Angaben seien übrigens ohne Gewähr.

Wie findet das eigentlich Fridolins Mama, die Stadt Weinheim? Die ist sogar selbst Follower der Blitzerseite! „Wir haben da nichts dagegen“, sagt Roland Kern. „Am Anfang haben wir tatsächlich auch selbst veröffentlicht, wo der Fridolin gerade steht.“ Es sei ja nicht so, dass man die Leute bewusst in die Falle locken wolle. Wenn sich der mobile Blitzer herumspreche und die Leute langsamer fahren, sei das Ziel erreicht. Aber provoziert man damit nicht, dass dann an allen übrigen Stellen der Stadt auf die Tube gedrückt wird? „Da sollten sich die Menschen nicht in falscher Sicherheit wiegen. Der Fridolin ist schneller bewegt, als man denkt“, sagt Kern.