Weinheim

Weinheimer Superblitzer fährt bald eine Million Euro ein 

Das Weinheimer Rathaus erklärt außerdem, wo Raser die höchsten Geschwindigkeitsübertretungen begangen haben.

Der sogenannte Enforcement-Trailer, von den Weinheimern Fridolin getauft, ist fleißig wie eh und je. Das Bild zeigt ihn in der Händelstraße. Foto: Thomas Rittelmann
Der sogenannte Enforcement-Trailer, von den Weinheimern Fridolin getauft, ist fleißig wie eh und je. Das Bild zeigt ihn in der Händelstraße.

Der Weinheimer Superblitzer Fridolin steuert pünktlich zu seinem zweiten Geburtstag auf die Eine-Million-Euro-Marke zu. Wie Rathaussprecher Roland Kern auf Anfrage erklärt, hat der sogenannte Enforcement-Trailer mittlerweile 16 869 Schnappschüsse von zu schnellen Autofahrern gemacht. Das hat seinen Preis: Der wohl teuerste Fotograf Weinheims bescherte dem Stadtsäckel mittlerweile Bußgelder in Höhe von exakt 818 991 Euro und 70 Cent.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Die höchsten Geschwindigkeitsüberschreitungen

Je schwerer der Bleifuß, desto höher die Rechnung. Diese Lektion musste so mancher Raser auf schmerzhafte Weise lernen. Denn wie das Rathaus erklärt, werden an manchen Stellen immer wieder Geschwindigkeitsüberschreitungen von bis zu 50 Stundenkilometern gemessen! Darunter im Multring (Tempo 50) sowie in der Stahlbadstraße, Müllheimer Talstraße, in der Straße Bertleinsbrücke und in der Bergstraße (alle Tempo 30). Ein Blick in den Bußgeldkatalog zeigt: Bei Überschreitungen von 41 bis 50 Stundenkilometern werden Autofahrer nicht nur mit 428,50 Euro zur Kasse gebeten. Sie erhalten außerdem zwei Punkte in Flensburg sowie ein Fahrverbot von einem Monat.

Nicht alle meinen es gut mit Fridolin. Er wurde in der Vergangenheit schon Opfer einer Farbattacke. Foto: Nicole Winkenbach
Nicht alle meinen es gut mit Fridolin. Er wurde in der Vergangenheit schon Opfer einer Farbattacke.

Gibt es eine Möglichkeit, der Radarfalle zu entgehen? Schwierig: „Es gibt keine Messstelle, welche, im Vergleich zu anderen, besonders hervorsticht“, sagt Roland Kern. Die häufigsten Messungen hätten bislang aber in der Breslauer Straße (Schule), Mannheimer Straße (Tempo 30 wegen Lärmschutz) und in der Müllheimer Talstraße (Kindergarten und Schule) stattgefunden. Grundsätzlich gelte: „Der Enforcement-Trailer wird an besonders schützenswerten Bereichen wie Schulen, Kindergärten, Seniorenheimen, Ruheschutzzonen sowie an Messstellen mit erhöhtem Beschwerdeaufkommen eingesetzt“, erläutert der Rathaussprecher.

Autofahrer wollen es natürlich genauer wissen. Deswegen erfreut sich der Kanal „Whm_Blitzer“ stetig wachsender Beliebtheit. Verkehrsteilnehmer melden Blitzersichtungen an die Betreiber des Kanals. Diese wiederum teilen die Standorte mit den Nutzern. Auf Instagram verfolgen mittlerweile immerhin 1519 Menschen das Blitzergeschehen, der WhatsApp-Kanal zählt 639 Abonnenten. Längst werden nicht mehr nur Standorte in Weinheim, sondern an der gesamten Badischen Bergstraße und darüber hinaus geteilt. Aber wie findet das Fridolins Mama, die Stadt Weinheim? Sprecher Roland Kern: „Wir haben da nichts dagegen. Am Anfang haben wir tatsächlich auch selbst veröffentlicht, wo der Fridolin gerade steht.“ Es sei ja nicht so, dass man die Leute bewusst in die Falle locken wolle. Wenn sich der mobile Blitzer herumspreche und die Leute langsamer fahren, sei das Ziel erreicht.

Bußgeldstelle ackert Überstunden

Aktuell liegt dieses Ziel aber noch in weiter Ferne. Tatsächlich produziert Fridolin so viele Knöllchen, dass die Mitarbeiter der Bußgeldstelle ganz schön Überstunden ackern müssen (wir haben berichtet). Eigentlich hatte sich der Personalausschuss auch schon darauf geeinigt, zumindest eine weitere Halbtagsstelle zu schaffen. Bislang blieb es jedoch beim Vorhaben. De facto arbeiten die vier städtischen Kräfte immer noch als Knöllchen-Quartett. Und: „Das Arbeitsaufkommen sowie die Arbeitsbelastung sind unverändert hoch“, so Kern.

Den Blitzer im Bereich der Viernheimer Straße / B 38 / Westtangente erwischte es in der Vergangenheit immer wieder. Foto: Rainer Wolff
Den Blitzer im Bereich der Viernheimer Straße / B 38 / Westtangente erwischte es in der Vergangenheit immer wieder.

Kein Wunder also, dass das Rathaus derzeit noch nicht über ein Geschwisterchen für Fridolin nachdenkt. Auf die Frage, ob es die Absicht gebe, einen zweiten Enforcement-Trailer anzuschaffen, heißt es aus der Stadtverwaltung: „Aktuell steht die Erneuerung der stationären Rotlichtanlagen im Vordergrund.“ Gemeint sind der Blitzer im Bereich der Viernheimer Straße / B 38 / Westtangente in Weinheim stadtauswärts sowie die Radarfallen am Händelknoten. Während ersterer im November 2023 seinen Dienst quittierte, nachdem er (mal wieder) umgefahren wurde, sind die beiden Blitzer am Händelknoten seit August 2023 nur noch Schaupackungen ohne Funktion. Dass die Anlagen nicht schon längst repariert wurden, das liegt in allen drei Fällen daran, dass die Technik in die Jahre gekommen war. Ersatzteile waren nicht mehr zu beschaffen. Die neuen Geräte knipsen nicht nur beim Überfahren von roten Ampeln. Sie erstellen auch Schnappschüsse von Rasern.

Lukrativ wäre ein zweiter Fridolin allemal. Die Anschaffungskosten von damals 156 000 Euro hat der Superblitzer nach nur zwei Jahren schon fünfmal wieder reingeholt.