Welche Blitzer nur noch eine Attrappe sind - und wo es bald teuer werden könnte
Mehrere Weinheimer Blitzer sind nur noch eine Schaupackung ohne Funktion. Sie zu ersetzen, kostet das Rathaus über eine halbe Million Euro. Dafür könnte eine der Radarfallen deutlich effizienter blitzen.
Dreimal war einmal zu viel: Der stationäre Rotlicht-Blitzer beim Autohaus Ebert hatte es in der Vergangenheit nicht leicht. Immer wieder fällt er fahrlässigen Autofahrern zum Opfer. Seit November wird im Bereich der Viernheimer Straße / B38 / Westtangente stadtauswärts gar nicht mehr geblitzt. Wie sich nun herausstellt, hat nicht nur die dortige Anlage den Dienst quittiert.
Denn wie aus dem Haushalt 2024 der Stadt Weinheim hervorgeht, sind auch die beiden Blitzer am Händelknoten nur noch eine nicht funktionierende Schaupackung. Und das bereits seit August. Das Rathaus will Ersatz für alle drei Anlagen schaffen. Der kostet aber – über eine halbe Million Euro.
In Zwangsruhestand befördert
Auf Anfrage der FDP-Fraktion, die eine solche Investition in Anbetracht der Haushaltslage infrage stellt, rechtfertigt die Stadt ihr Vorhaben an den beiden Verkehrsachsen. Demnach gingen die zwei Anlagen am „Händel-Knoten“ in den Zwangsruhestand. Das zuständige Eichamt habe Mängel an den Geräten festgestellt. Um diese zu beheben, hätte das Rathaus einen ganzen Stapel an Unterlagen gebraucht. Darunter Anschlusspläne, Erläuterungen zur Normen-Konformität (auch Blitzer haben eine DIN-Norm) sowie die Ergebnisse, die bei der Kontrollmessung nach der Errichtung der Anlage festgehalten wurden.
Doch die Errichtung der Anlage, die ist schon eine ganze Weile her. So lange, dass sie im Rathaus keiner mehr bezeugen kann: „Leider ist niemand mehr von der ersten Stunde greifbar“, heißt es vonseiten der Verwaltung. Um die alten Anlagen wieder aufzumöbeln, müsste das Rathaus viel Zeit investieren und eine Stange Geld in die Hand nehmen: „Allein für den Einbau funktionstüchtiger Schleifen (die für diese alte Technik noch benötigt werden) müssten 15 000 Euro pro Messstelle investiert werden.“ In der Summe also 30 000 Euro.
Senior schlägt zurück
Das Eichamt sprach im August ein Machtwort und hat die Stadt angewiesen, die beiden Anlagen stillzulegen. Das Rathaus weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auch die Ersatzteile der alten Rotlicht-Blitzer endlich sind. Diese Erfahrung musste die Verwaltung bereits mit der Anlage beim Autohaus Ebert machen. Sie wurde im November bereits das dritte Mal umrasiert. Ein junger VW-Fahrer war damals von der regennassen Straße abgekommen und ist gegen die Anlage geprallt. Erst im Frühjahr 2023 hatte es den Blitzer erwischt. Ein 68-Jähriger, ebenfalls mit einem VW-Golf unterwegs, war schuld. Damals beschleunigte der Senior auf seinem Weg stadteinwärts noch einmal ordentlich, als er aus Richtung Viernheim an eine gelbe Ampel kam, um noch durchzukommen.
Erfolglos: Auf die rote Ampel folgte der grelle Blitz der Radarfalle. Momente darauf sollte der 68-Jährige sich bei dieser revanchieren: Noch immer mit zu schnellem Tempo unterwegs, verlor er die Kontrolle über seinen Golf und rauschte in den Blitzer. Dieser wurde mitsamt dem Mast aus dem Fundament im Boden gerissen. Sowohl der VW als auch der Blitzer erlitten einen Totalschaden. Der Fahrer blieb unverletzt – den Airbags im Auto sei Dank. Dem Strafzettel konnte der 68-Jährige jedoch nicht entgehen: Die Stadt Weinheim wertete den Speicher des kaputten Blitzers trotzdem aus, um dem Senior sein Bußgeld zukommen zu lassen.
Keine Ersatzteile
Doch nach dem letzten Sturz steht der Blitzer nicht mehr auf. So erklärt das Rathaus: „Mit dem erneuten Unfall ist der Hersteller an seine Ersatzteilgrenze gestoßen, da er keinen Mast mehr liefern kann.“ Nun soll ein leistungsfähigerer Jungspund seinen Job übernehmen. Bei der Neuanschaffung plant die Stadt, einen Blitzer zu kaufen, der nicht nur Rotlicht-Verstöße festhält, sondern auch bei zu schnellem Fahren knipst. Mit Blick auf die Situation der Stadtkasse könnte aber ebenso ein kostengünstigeres Modell ohne diese Zusatzfunktion beschafft werden, schreibt die Verwaltung. Damit spare die Stadt 20 000 bis 25 000 Euro.
Zum Hintergrund der angespannten Haushaltssituation: Für das Jahr 2024 prognostiziert das Rathaus ein Defizit von 17,9 Millionen Euro. Insgesamt beläuft sich die Verschuldung der Stadt auf 25,9 Millionen Euro, so der Stand zum Jahresende. Der Stadt Weinheim bleibt nichts anderes übrig, als ihr Rücklagen zu plündern. Die konnte sie dank eines deutlich besseren Ergebnisses im Haushaltsjahr 2023 ausbauen. Dennoch: „Der Weg wird steiniger“, kündigte Oberbürgermeister Manuel Just bereits an.