Weinheims bekanntester Straßenkehrer ist tot
Trauer um Uwe Schmitt, der im Alter von 64 Jahren verstarb. Er gehörte mit seiner Schubkarre, Besen, Schaufel und seiner freundlichen Art über viele Jahrzehnte zum Weinheimer Straßenbild.
Er war ein echtes Weinheimer Original: Straßenkehrer Uwe. Seine Schubkarre, der Besen und die Schaufel gehörten über Jahrzehnte zum Straßenbild der Weinheimer Innenstadt. Viele Weinheimer kannten den Mann, der für jeden Passanten einen freundlichen Gruß auf den Lippen hatte. Wohl kaum einer seiner Kollegen hielt seinen Arbeitsplatz mit ähnlicher Hingabe sauber. Jetzt ist Uwe Schmitt plötzlich und unerwartet im Alter von 64 Jahren gestorben.
Die Straßen tipptipp in Ordnung gehalten
„Dort, wo Uwe Schmitt die Straßen, Wege und Plätze reinigte, konnte man sicher sein, dass die gereinigten Flächen ,tipptopp‘ in Ordnung waren“, lobte Oberbürgermeister Manuel Just vor drei Jahren bei der Verabschiedung des Oberflockenbachers in den Ruhestand.
Der Mann fürs Feine
35 Jahre lang arbeitete Weinheims bekanntester Straßenkehrer im Baubetriebshof der Stadt Weinheim – in der manuellen Straßenreinigung. Der Mann fürs Feine, der dort eingesetzt wurde, wo die Kehrmaschine nicht hingelangte. 2021 stellte er den Besen in die Ecke. Mit 61 Jahren war es für Schmitt Zeit für die Rente. Kreuz und Hüfte wollten nicht mehr mitmachen. Ein Herzfehler tat sein Übriges.
Ein Gedicht für Uwe
Leserin Claudia Herrmann-Schmeidel wurde bereits 2017 von dem sympathischen Straßenkehrer Uwe Schmitt zu einem Gedicht inspiriert. Es trägt den Titel „Der Straßenkehrer“ und zeichnet ein geradezu romantisches, zauberhaftes Bild: „An der Parkmauer, versunken im Augenblick, wispernd, raunend, flüsternd den Kopf gesenkt, der Antwort lauschend dem Rascheln, dem Knistern, dem Kratzen auf dem Asphalt. Mit dem Blick den Figuren folgend, die der Wind mit den Blättern formt, sie immer wieder zu neuem Tanz anregend. Und er, mit seinem Besen und seiner Schaufel als Statist in dem Treiben, kehrt sie zusammen zu gelb-braunen Hügeln, lauscht ihren Geschichten vom Sommer, vom Blühen, vom Duft, von den Vögeln, fragt raunend nach dem Jahr, das zu Ende geht und bald neu beginnt. So wie er immer neu Schwung holt mit seinem Besen, wie er immer wieder eintaucht in das Rascheln der Blätter, die er auf seine Schaufel häuft mit Vorsicht, mit Andacht, mit Respekt vor ihrer Geschichte. So schiebt er seine Tonne mit der Sammlung gewisperter Vergangenheit, als deren Hüter er sich versteht, auch morgen wieder im Dialog mit der Zeit.“
Musik aus der Schubkarre
Uwe Schmitt gehörte nicht nur optisch zum Erscheinungsbild der Weinheimer Innenstadt, man hörte ihn auch. Ein kleines Radio fuhr über Jahre hinweg immer in der Schubkarre mit. Beschwingte Schlager waren seine musikalischen Favoriten. „Früher“, erinnerte sich Schmitt anlässlich seiner Rente, „als es noch Radio Wachenburg gab, habe ich am liebsten den Lokalsender gehört.“ Ein weiteres Zeichen dafür, wie stark er der Heimat verbunden war.
Immer den Schalk im Nacken
Die Menschen hatten es ihm ohnehin immer angetan. „Sein Umgang mit Kollegen, aber auch mit Bürgern war stets zuvorkommend“, weiß OB Just. Auch weil ihm der Schalk immer im Nacken saß. Das wusste man auch in Oberflockenbach zu schätzen, wo er im Vereins- und Ortsleben integriert war.
Die Trauerfeier mit Urnenbeisetzung findet am Donnerstag, 10. Oktober, um 14 Uhr auf dem Friedhof in Oberflockenbach statt. Von Beileidsbekundungen am Grab bitten die Angehörigen abzusehen. Eine Kondolenzliste liegt auf.