Wieder Jagdverbot wegen Schweinepest an der Bergstraße
Neue Fälle im Bereich Bensheim/Heppenheim haben Folgen für Laudenbach, Hemsbach und Sulzbach. Was Jäger dazu sagen.
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) grassiert weiter im hessischen Kreis Bergstraße. Dort wurden in den vergangenen Tagen positiv auf das ASP-Virus getestete Tiere östlich der A 5 sowie westlich der B 3 im Bereich Bensheim/Heppenheim festgestellt. Das hat Auswirkungen auf die angrenzenden Gebiete im badischen Rhein-Neckar-Kreis. Wie das dortige Veterinäramt mitteilt, wurde für Hemsbach, Laudenbach und den Weinheimer Ortsteil Sulzbach ein absolutes Jagdverbot angeordnet.
Damit soll verhindert werden, dass Wildschweine durch Schüsse aufgeschreckt werden und womöglich in andere Gebiete ausweichen, was zur Weiterverbreitung der Seuche führen könnte. Gerade jetzt, kurz vor Silvester, tun sich viele Jäger besonders schwer mit dem Jagdverbot. Schließlich ist aktuell das Abbrennen von Feuerwerkskörpern erlaubt, deren Knallgeräusche und Lichtblitze weitaus störender sein dürften.
Zum Hintergrund:
- Das ASP-Virus ist für Schweine hochansteckend und fast immer tödlich.
- Für Menschen und andere Tiere stellt es jedoch keine Gefahr dar.
- Auch der Verzehr von Wildschweinfleisch ist nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bedenkenlos möglich.
Welche Folgen das Jagdverbot haben könnte
Auch der Sulzbacher Jagdpächter Karsten Fath hadert mit dem Jagdverbot. In seinem Revier war die Jagd erst Anfang Dezember – nach mehr drei Monaten Zwangspause – wieder erlaubt worden. Seither habe er sieben Wildschweine geschossen und Proben entnommen, die allesamt negativ waren. Er befürchtet, dass das neuerliche Jagdverbot zu einem weiteren Anstieg der Wildschwein-Population führt.
Gleichwohl hat er Verständnis für die Anordnungen des Veterinäramtes, das sich ja an die gesetzlichen Vorgaben halten müsse. Der Appell der Behörden, auf Silvesterfeuerwerk außerhalb geschlossener Ortschaften zu verzichten, sei da sicher auch sinnvoll. Doch die Wirklichkeit sehe leider anders aus. Gerade auf den Feldern, aber auch im Wald würden seit dem Verkaufsstart für Feuerwerksartikel immer wieder Böller gezündet.
Auch Kreisjägermeister Ralph Steffen von der Heidelberger Jägervereinigung sieht das Jagdverbot kritisch. Zwar begrüße er ausdrücklich, dass der Rhein-Neckar-Kreis die Anordnung aktuell nur auf Hemsbach, Laudenbach und Sulzbach beschränkt hat, aber je länger das Jagdverbot gelte, desto stärker werde die Population ansteigen.
In Hessen bleibt die ASP-Lage dagegen dynamisch, wie das Wiesbadener Landwirtschaftsministerium mitteilte. Auch über die Feiertage und zwischen den Jahren sei die Suche nach verendeten Wildschweinen kontinuierlich fortgesetzt worden.
Bislang 647 infizierte Kadaver
Knapp 200 000 Hektar Fläche wurden in Hessen seit dem Ausbruch der ASP im Sommer mit Wärmebilddrohnen oder ausgebildeten Kadaversuchhunden abgesucht. Bislang wurden dabei 2176 Wildschweinkadaver gefunden, von denen 647 positiv auf das Virus getestet wurden. Das Errichten weiterer Zäune östlich der A 5 im Odenwald werde in Abstimmung mit Baden-Württemberg gerade geprüft.