Fußball

Warum Tim Wiegand vom FC Ober-Abtsteinach viel herumkommt

Als Berufssoldat muss Tim Wiegand oft umziehen. Der Torwart des FC Ober-Abtsteinach ist jetzt froh, bei seiner Familie sein zu können und erzählt von seinen verschiedenen Stationen.

Tim Wiegand (hier klärt der Torwart gegen den Mitlechterner Finn Renkewitz) ist ein Leistungsträger des FC Ober-Abtsteinach. Als Berufssoldat ist der 29-Jährige schon viel in Deutschland herumgekommen.    Bild: Fritz Kopetzky Foto: Thomas Rittelmann
Tim Wiegand (hier klärt der Torwart gegen den Mitlechterner Finn Renkewitz) ist ein Leistungsträger des FC Ober-Abtsteinach. Als Berufssoldat ist der 29-Jährige schon viel in Deutschland herumgekommen. Bild: Fritz Kopetzky

Tim Wiegand vom FC Ober-Abtsteinach hat nicht nur mit dem runden Leder schon viel erlebt. Aktuell genießt der erfahrene Torwart seine Zeit in der Heimat, die er in den vergangenen Jahren doch häufiger hinter sich lassen musste.

Als Berufssoldat bei der Bundeswehr ist Tim Wiegand viel herumgekommen, hat viel gesehen und erlebt – doch es hat ihn immer wieder in die Heimatregion zurückgezogen. Aktuell spielt der 29-jährige Torwart in seiner zweiten Saison bei Kreisoberliga-Aufsteiger FC Ober-Abtsteinach.

Nach der umjubelten Meisterschaft in der Vorsaison in der Kreisliga A ist nun der Ligaverbleib das oberste Ziel. Und Wiegand ist trotz des beschwerlichen Auftakts mit nur zehn Punkten aus 15 Partien optimistisch, dass er gelingen wird. „Positiv ist, dass wir viele gute Spiele gemacht haben. Viele von uns haben noch nicht Kreisoberliga gespielt, da ist es irgendwo normal, anfangs ein bisschen Lehrgeld zu zahlen“, sagt der 1,95 Meter große Schlussmann.

Mit 17 Jahren bei der ETW im Tor

Das zurückliegende Spiel war für ihn ein besonderes. Gegen die zweite Mannschaft von Eintracht Wald-Michelbach unterlag der FCO zu Hause knapp mit 2:3. Bei der Eintracht hatte Wiegand mit 17 Jahren die ersten Erfahrungen in der Verbandsliga gesammelt, ehe er sich entschloss, bei der Bundeswehr anzufangen. Gefolgt von einer Zeit mit vielen Stationen in ganz Deutschland. Zunächst zog es Wiegand nach Hamburg, wo er über drei Jahre blieb und über die Bundeswehr Ingenieurwesen studierte. Die Zeit im Norden war allein fußballerisch „eine hervorragende Zeit“, wie er betont: „Da wird Fußball noch mal anders gelebt. In Hamburg herrscht halt eine andere Dichte, da gab es eigentlich jede Woche ein Derby“, erinnert sich Wiegand, der eine Saison für Oberligist SC Victoria Hamburg spielte und unter anderem Teil des ältesten Stadtderbys Deutschlands gegen den Altona FC 93 war – begleitet von weit über 1000 Zuschauern. Bei der Victoria zählte der langjährige Bundesliga-Stürmer Marius Ebbers (FC St. Pauli) zu seinen Mitspielern.

In Hamburg spielte Wiegand danach auch für den SC Vorwärts-Wacker Billstedt in der Oberliga, ehe es ihn wieder gen Süden zog. Er wurde nach Köln versetzt, war zwischendurch auch in Dresden und München stationiert. „Es waren acht schöne Jahre, die ich in der ganzen Republik unterwegs war“, sagt Wiegand: „Allein durch das Sportliche habe ich ganz viele tolle Menschen kennengelernt.“ Jetzt gerade genießt er aber die Zeit mit den tollsten Menschen überhaupt in seinem Leben, mit seiner Familie. Ehefrau Sandra, der dreijährige Sohn Hannes, seine einjährige Tochter Leni und die Eltern freuen sich, den in Elternzeit befindlichen Gatten, Papa und Sohnemann die ganze Zeit bei sich zu haben. „Mein erstes Kind nicht wirklich aufwachsen gesehen zu haben, war nicht einfach und hat bei mir zu einem Umdenken geführt“, betont der in Rimbach wohnhafte Wiegand: „Es gibt nichts Schlimmeres, wenn das Kind heulend am Bahnhof steht, weil der Papa wieder wegmuss.“

Umso mehr freut er sich, dass es gerade anders ist. „Ich genieße es sehr, diese Zeit mit der Familie zu haben. Wir sind jetzt schon länger nicht getrennt – und es ist einfach wunderschön.“ Er sei seiner Frau und den Eltern „sehr dankbar. Sie haben viel auf sich nehmen müssen, weil ich so oft weg war.“

Die Menschen sind wichtig

Immer wieder weg, aber auch immer wieder zurück: Das galt auch in Sachen Fußball, denn zu Eintracht Wald-Michelbach fand er zwischendurch stets zurück. „Es sind für mich weniger die Erfolge, die wichtig sind, sondern die Menschen, mit denen man zusammenspielt. Mit alten Kollegen zu kicken, das macht für mich den Amateurfußball aus“, unterstreicht Wiegand. Deshalb spielt er nun auch für den FC Ober-Abtsteinach, der am Wochenende spielfrei ist: „Ich habe einem guten Freund versprochen, dass ich noch mal mit ihm zusammenspiele“, erklärt Wiegand.

Wie es für ihn nach der Elternzeit weitergehe, sei noch nicht ganz klar. „Vielleicht ergibt sich eine Lösung, die für alle gut passt“, hofft der viel herumgekommene, aber doch immer sesshaft gebliebene FC-Torwart.