Laufsport

Am liebsten einfach mittendrin im Pulk

Auch drei Läufer der Lebenshilfe machen sich mit ihren Betreuerinnen am Sonntag bei den Weinheim Trails auf den Weg

Pierre, Coach Nicole Neumann, Kamber und Coach Isabelle Czech freuen sich auf die Herausforderung der Weinheim Trails am Sonntagmorgen. Foto: Anja Treiber
Pierre, Coach Nicole Neumann, Kamber und Coach Isabelle Czech freuen sich auf die Herausforderung der Weinheim Trails am Sonntagmorgen.

Kamber ist topmotiviert. „Ich bin topfit“, reckt er den Daumen in die Höhe und lacht verschmitzt. Wenn es nach dem 16-Jährigen ginge, dürften die Weinheim Trails sofort starten. So muss sich der Schüler der Maria-Montessori-Schule, der auch eine Außenklasse der Dietrich-Bonhoeffer-Schule besucht, noch bis Sonntagmorgen gedulden. Dann heißt es früh aufstehen. Und vor allem: Kräfte einteilen.

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Um 7 Uhr holen ihn die Coaches Nicole Neumann und Isabelle Czech mit dem Lebenshilfe-Bus daheim in Ladenburg ab, sammeln dann noch die Brüder Pierre und Eloy in der Weinheimer Weststadt auf. Ziel: der Weinheimer Marktplatz. Da startet die Lebenshilfe-Gruppe um 9 Uhr auf die sechs Kilometer lange und 100 Höhenmeter umfassende Einsteigerstrecke der Weinheim Trails. Die wird in diesem Jahr erstmals angeboten. Und weil sich nur die 44-Kilometer-Läufer schon ab 7.45 Uhr auf den Weg gemacht haben, werden sich die drei Lebenhilfe-Läufer in ihren knallgrünen Laufshirts in einem Pulk von über 300 Startern befinden, die entweder sechs, zwölf oder 24 Kilometer bewältigen werden.

Herausforderung für alle

„Das ist nicht nur für die Jungs eine Herausforderung, sondern auch für uns“, sagt Nicole Neumann. Die Werksstudentin ist eine wichtige Säule bei der Offenen Hilfe. Sie musste genau wie Isabelle Czech, die als Quereinsteigerin unter anderem Schulbegleiterin ist, und die 14-jährige Schülerin Mia Becker nicht lange überlegen, als es darum ging, ob und wie die Läufer begleitet werden. Am vergangenen Sonntag testeten sie gemeinsam die Strecke, waren nach 1:15 Stunden wieder im Ziel. „Allerdings nach vielen Videosequenzen für unsere Social Media-Kanäle“, sagt Lebenshilfe-Chef Oliver Anders. Weder er noch Weinheim Trails-Ausrichterin Silvia Felt-Balbach wollten den jungen Männern bei ihrem Vorhaben Steine in den Weg legen. „Wir wollen ja das Gegenteil. Das zeigen wir nicht nur bei diversen Firmen-, Spendenläufen oder der Teilnahme am Altstadtlauf. Special Olympics sind auch schön. Aber bei diesen Events hier sind wir Teil der Gemeinschaft, laufen in der Masse mit.“ So soll es sein.

Kamber ist sportverrückt, absolviert auch die Fitness-Trainingseinheiten im Rehasport. Und damit die Aufregung nicht allzu groß wird, lenkt ihn der Lebenshilfe-Ausflug am Samstag nach Strasbourg ab. Was er vor dem Lauf frühstücken wird? „Eine Karotte“, lacht er und will gleich wissen, was die Fragestellerin denn eigentlich für Sport betreibt. Und wo die Zeitung gemacht wird, wer sie austrägt. Und was es im Ziel zu trinken gibt.

Nur nicht überpacen

Pierre, dessen Bruder Eloy beim Fototermin noch krank war, ist etwas zurückhaltender, hört aber genau zu, als die Sprache auf die Fußball-EM und das Public Viewing vor der Lebenshilfe angeht. Zum Viertelfinale soll das wieder stattfinden. Und wenn die Deutschen es mit einem Sieg über Dänemark erreichen, dann hofft Pierre auf Spanien als Gegner. Und einen spanischen Sieg. „Mein Papa war nämlich Spanier“, sagt der 29-Jährige, der Kapitän der Lebenshilfe-Fußballer ist und demnach ein echter Fachmann. „Aber ohne Bier, das mag ich nicht“, lacht der Mann, der im Schriesheimer Talhof Tiere betreut und versorgt, putzt, kocht und dabei viel Spaß mit seinen beiden Chefs hat. „Die sind supernett.“ Pierres Frühstück am Sonntag besteht aus Cornflakes, in einem Trinkgurt haben die Läufer Wasser und Traubenzucker dabei. „Die größte Herausforderung wird, dass sie sich das auf den sechs Kilometern gut einteilen und nicht gleich am Anfang überpacen“, sagt Nicole Neumann. Aber dass sie wieder ins Ziel kommen, daran zweifelt niemand. Und selten wird eine Platzierung dabei so was von nebensächlich sein wie für Kamber, Pierre und Eloy am Sonntag.