Hopping Holger

Kolumbien und die Partyrakete

Der Fürther Holger Giebel steht als trauriger Deutscher bei der Fußball-WM in Australien im Siegesrausch des Gegners

Hopping Holger vor dem Spiel mit einer farbenfroh gekleideten Kolumbianerin. Foto: Holger Giebel
Hopping Holger vor dem Spiel mit einer farbenfroh gekleideten Kolumbianerin.

Schon vor dem Spiel war eines klar: Falls Kolumbien das schmucke Stadion in Sydney als Sieger verlassen sollte, dann werden die Fans der Südamerikaner wohl die ultimative Partyrakete steigen lassen. Und sie stieg. Was sich vor der Partie mit einem heiteren Straßenfest in Gelb bereits abzeichnete, wurde dann exzessiv um noch eine weitere Stufe erhöht. Der 2:1-Sieg über die deutschen Frauen versetzte offenbar eine ganze Nation in kollektiven Jubel.

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Dass es kein einfaches Spiel werden wird, war klar, doch dass das zweite Vorrundenspiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft für die DFB-Kickerinnen mit einer Niederlage enden wird, damit dürften nicht viele gerechnet haben – mich eingeschlossen. Sepp Herberger behauptete einst, dass ein Spiel 90 Minuten dauere. Zwar ist längst bekannt, dass er damit nicht Recht hatte, doch bei der Partie gegen Kolumbien bekam dies die deutsche Auswahl einmal mehr gnadenlos vor Augen geführt. Auf den Rängen war es ein Gefühl der Ohnmacht, als bei einem Eckball in der Nachspielzeit die nicht unbedingt großgewachsene Manuela Vanegas nach oben stieg und die Hereingabe völlig ungedeckt in die Maschen wuchtete.

Vor dem Anpfiff im noch leeren und ruhigen Rund in Sydney. Foto: Holger Giebel
Vor dem Anpfiff im noch leeren und ruhigen Rund in Sydney.


Mein Sitznachbar, ein netter Kolumbianer – keine Besonderheit, denn das Stadion bestand gefühlt zu 80 Prozent aus Kolumbianern – drehte komplett durch, was ich verstehen konnte. Bei mir machte sich die Ernüchterung breit. Gerade noch so in der regulären Spielzeit glich die insgesamt recht unglücklich agierende Alex Popp per Elfmeter aus, nachdem kurz nach dem Seitenwechsel das kolumbianische Wunderkind Linda Caicedo mit ihrem rechten Zauberfuß die Führung erzielt hatte. Wenigstens noch den Punkt mitnehmen. Ich hatte mich schon gefreut. Dann diese Unachtsamkeit bei der Ecke, schon war alles wieder dahin.

Die pure Lebensfreude

Vor dem Spiel habe ich mich als einer der wenigen deutschen Exoten unter die Menge bei der kolumbianischen Straßenparty gemischt. Das war die pure Lebensfreude, die mir entgegenschlug. Die meisten im gelben Nationaltrikot gekleidet, die Fahne auf die Wange gemalt, einige Frauen kamen in prächtigen Karnevalskostümen daher. Es hat einfach Spaß gemacht.

Bunt wie die WM prösentieren sich auch die Stadien, hier in Sydney. Foto: Holger Giebel
Bunt wie die WM prösentieren sich auch die Stadien, hier in Sydney.


Dass ich, ein Groundhopper gekleidet im Trikot der Eintracht-Frauen, mich zu den Südamerikanern gesellte, bekam ich mit freundlichen Worten gedankt. Das SGE-Wappen auf meiner Brust ist in Kolumbien auch nicht unbekannt. Gleich mehrfach wurde ich auf Rafael Borré angesprochen, der Kolumbianer, der beim Europa-League-Erfolg der Frankfurter den entscheidenden Elfmeter versenkte.


Wieder einmal zeigte es sich: Fußball verbindet die Welt. Auf die kolumbianische Siegesfeier habe ich aber dann doch verzichtet. Auch wenn ich den sehr sympathischen Menschen die Feier gönnte, der verschluderte Punkt führte dann doch zu großer Enttäuschung. Das sollten doch lieber die Kolumbianer machen.