Fußball

Michael Eisenhauers Motivation ist geradezu paradox

Viele raten dem Trainer ab, den SV Schriesheim zu übernehmen. Er macht es trotzdem

Michael Eisenhauer (rechts) hat die Köpfe der Schriesheimer Spieler, hier  links  Lukas Mijatovic, freibekommen. Foto: Andi Nowey
Michael Eisenhauer (rechts) hat die Köpfe der Schriesheimer Spieler, hier links Lukas Mijatovic, freibekommen.

„Derbysieger, Derbysieger“, hallte es am vergangenen Sonntag auf dem Sportplatz des Fußball-A-Ligisten SG Hohensachsen aus einer Spielertraube heraus. Doch nicht die Spieler aus dem Weinheimer Stadtteil jubelten, sondern es war das Schlusslicht SV Schriesheim, das im elften Anlauf den ersten Saisonsieg einfuhr. Mittendrin in diesem Spielerpulk stand auch Michael Eisenhauer, der erst vor wenigen Tagen das Traineramt bei den Bergsträßern übernommen hatte.

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„Ein Fußballverrückter“

„Natürlich macht man sich nach einem Saisonstart mit null Punkten nach neun Spielen Gedanken darüber, welchen Hebel man in Bewegung setzen kann“, blickt Sebastian Schromm vom Spielausschuss des SVS zurück. „Wir haben ganz viele junge Spieler und die ganze Verantwortung auf ihre Schultern zu legen, war nicht gut. Daher war es für uns logisch, dass wir nur besser werden können, wenn zwei, drei erfahrene Spieler dazukommen.“ Diese hatte Eisenhauer im Gepäck, zudem kannten sich Schromm und der 52-Jährige schon seit vielen Jahren, als sie sich als A-Jugend-Trainer in einem Testspiel erstmals begegnet waren.

„Ich habe gelesen, dass es bei Michael und dem SV Ruchheim zur Trennung kam. Wir wussten, dass er ein Fußballverrückter ist, haben Kontakt mit ihm aufgenommen und sind mit unseren bisherigen Trainern Marco Weber und Bernd Schäfer ganz offen und transparent umgegangen“, so Schromm.

Schäfer war sich nach Eisenhauers Übernahme nicht zu schade, sich als Reservespieler auf die Bank zu setzen, was unter Beweis stellt, dass beim SV Schriesheim weiterhin an einem Strang gezogen wird. „Das Training von Marco und Bernd war gut. Da gibt es nichts zu sagen. Am Ende haben wir aber die PS nicht auf die Straße gekriegt“, fasst Schromm zusammen. Zudem hatte Eisenhauer eben die angesprochenen Verstärkungen im Schlepptau.

Künftig spielender Co-Trainer

Mit Atilla Ercan wird ab der Rückrunde ein spielender Co-Trainer ganz viel Erfahrung in die Mannschaft bringen. In Hohensachsen schon mit dabei war Fatbardh Behlulaj, der sich gleich in die Torschützenliste eintrug. Der zweite Neue, Yusupha Sarr, kam in der zweiten Halbzeit zum Einsatz. „Zur Winterpause sollen weitere zwei bis drei Spieler mit Landesliga-Erfahrung folgen“, so Schromm, der hofft, dann, die nötige Struktur in der Mannschaft zu haben, um den Klassenerhalt zu erreichen.

Eisenhauers Motivation, den Tabellenletzten der Kreisklasse A2 zu übernehmen, klingt paradox. „Lange mache ich nicht mehr im Trainergeschäft und eigentlich wollte ich einen Kreisligisten übernehmen“, sagt Eisenhauer, der eingesteht, dass Schriesheim nicht die erste Wahl war. „Ich habe mich dann mit vielen unterhalten und jeder hat mir sportlich von Schriesheim abgeraten. Je mehr mir davon abgeraten wurde, desto mehr hat es mich motiviert, die Aufgabe anzunehmen.“

Eisenhauer stand somit nach nur einer Teamsitzung erstmals gegen die TSG 62/09 Weinheim II an der Seitenlinie. Die Köpfe scheint er, der eine Weiterbildung als Mentaltrainer vorweisen kann, freibekommen zu haben, denn mit dem 2:2 gelang der erste Saisonpunkt. Diesem folgte in Hohensachsen mit dem 3:1 dann auch gleich der erste Sieg. Und jetzt kann gegen Fortuna Heddesheim II nachgelegt werden. Vielleicht erklingen die „Derbysieger“-Rufe dann auch auf dem heimischen Sportplatz.