Gorxheimertal: Mehrzweckhalle - Verpachtung statt Verkauf
Wie sieht die Zukunft der Mehrzweckhalle in Gorxheimertal aus? Die TG Jahn Trösel will die Halle kaufen. Nun gibt es eine Entscheidung aus der Gemeindevertretung.
Gorxheimertal. Verkaufen oder verpachten? Wie sieht die Zukunft für die gemeindeeigene Mehrzweckhalle in Gorxheimertal aus? Diese Fragen beschäftigen die Gemeindeverwaltung seit September des vergangenen Jahres, als die TG Jahn Trösel, als Hauptnutzer der Halle, die Anfrage nach einem möglichen Erwerb der Mehrzweckhalle stellte. Seit Anfang Februar wird die Interessensbekundung des Vereins und die damit einhergehenden Nutzungsvarianten in den öffentlichen Sitzungen der gemeindlichen Gremien diskutiert.
In der Sitzung der Gemeindevertretung am Dienstagabend lehnten die Mandatsträger einstimmig den Beschlussvorschlag ab, dass ein Verkauf der Mehrzweckhalle angestrebt werden soll. Sie votierten dafür, die möglichen Pachtverhältnisse zu prüfen und seitens der Gemeinde und der TG Jahn Trösel auf Umsetzbarkeit abzustimmen. Im Falle einer Übereinkunft sind entsprechende Verträge zu fixieren. Des Weiteren ist eine Nutzungsvereinbarung für die Mehrzweckhalle zwischen der Gemeinde und der TG Jahn Trösel abzustimmen.
Gemeindevertretervorsitzender Klaus-Dieter Schmitt (Pro-Tal) leitete die erste Sitzung im Jahr 2025, die von mehreren Zuschauern verfolgt wurde. Im Gegensatz zur Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses (HFA), bei der dem Antragsteller Rederecht gegeben wurde, berichteten am Dienstag vor allem Bürgermeister Frank Kohl und HFA-Vorsitzender Heiko Zacher (Pro-Tal) von den bisherigen umfangreichen Diskussionen.
Hoffnung auf Zuschüsse
Die Anfrage der TG Jahn sei überraschend gewesen, sagte Kohl. In der Folge sei es zum Gedankenaustausch zwischen Gemeindevorstand, Ältestenrat und Vereinsvorstand gekommen, infolgedessen die Gemeindeverwaltung den Sachverhalt umfangreich aufgearbeitet hat (wir haben berichtet). Im Januar dieses Jahres hat der Gemeindevorstand die Empfehlung abgegeben, eine Verpachtung der Mehrzweckhalle an die TG Jahn Trösel über einen Zeitraum von mindestens 25 Jahren unter der Verpflichtung, dass der Pächter sämtliche Betriebs- und Unterhaltungsaufwendungen während der Vertragslaufzeit trägt, anzustreben.
Zu einer Vertragslaufzeit von mindestens 25 Jahren sei man gekommen, da diese Mindestvertragsdauer in der Regel nachzuweisen sei, wenn ein Verein als Unterhaltspflichtiger eines solchen Objekts beispielsweise regelmäßig Landeszuschüsse für Sanierungsmaßnahmen beantragen wolle – ein Vorteil, den auch der Antragsteller sieht. Schließlich begründet der Verein sein Interesse an der Halle vorrangig damit, dass „ein gewisser Sanierungsstau feststellbar sei und man in eigener Verantwortlichkeit einiges mehr auf den Weg bringen könne, beispielsweise unter Einbeziehung von öffentlichen Zuschüssen und Stiftungsgeldern“, wie aus den Sitzungsunterlagen hervorgeht.
Treffpunkt für Talemer Vereine
HFA-Vorsitzender Zacher berichtete aus den Diskussionen im Ausschuss und betonte unter anderem, dass es darum gehe, „für die Vereine einen Treffpunkt zu erhalten – nicht nur für die TG Jahn“. Eine Veräußerung mache keinen Sinn und es gelte nun, die Pachtverhältnisse auszuarbeiten. Die Gemeindevertreter folgten am Dienstagabend schließlich der Empfehlung der HFA-Mitglieder. Doch zuvor merkte CDU-Fraktionsvorsitzender Peter Franke an, dass bei einem Verkauf eine externe Ausschreibung erforderlich werde – „und am Ende würde der Meistbietende den Zuschlag erhalten, womit der TG Jahn nicht geholfen wäre“.
Ein Pachtvertrag, der für Gemeinde und Verein akzeptabel sei, stelle eine Win-win-Situation dar, sagte Klaus Zink (SPD). Er brachte den Vorschlag ein, alle ortsansässigen Vereine in die Diskussion über den Pachtvertrag mit einzubeziehen, da diese auch die Halle nutzen und viel Eigenleistung in den Erhalt der Halle gesteckt haben.
Bürgermeister Kohl erläuterte in diesem Zusammenhang, dass er, als der Gemeindevorstand seine Empfehlung abgegeben habe, vorab alle ortsansässigen Vereine darüber informiert habe. Daraufhin habe ein Verein sein Nutzungsinteresse bekundet, in der HFA-Sitzung dann zudem ein weiterer.
Tal wird keine Modellkommune
Mehrheitlich abgelehnt wurde hingegen der von der CDU eingebrachte Antrag, ein digitales Starkregen-Frühalarmsystem in Gorxheimertal zu errichten. Gorxheimertal hätte damit die Möglichkeit gehabt, als erste Modellkommune im Kreis Bergstraße ein solches System aufzubauen. Mit sechs Nein-Stimmen (Pro-Tal, SPD), zwei Ja-Stimmen (CDU) und zwei Enthaltungen (CDU, Pro-Tal) wurde der Beschlussvorschlag mehrheitlich abgelehnt.
„Nicht der richtige Zeitpunkt“
Wie Verena Böxler (Pro-Tal), Vorsitzende des Sozial-, Umwelt- und Bauausschusses (SUB), erläuterte, gab es im SUB dazu keine Diskussionen. Antragstellerin Corinna Simeth (CDU) erläuterte vor der Abstimmung noch einmal die „gute Möglichkeit, die Bevölkerung zu schützen und einer entsprechenden gefährlichen Lage zuvorzukommen, da sich Starkregenereignisse häufen“. Ein Knackpunkt: Eine Beteiligung müsste noch in diesem Jahr erfolgen. Kohl erläuterte erneut, dass für die Beteiligung an dem Projekt keine Mittel im Haushalt zur Verfügung stünden und man einen Nachtragshaushalt erstellen müsste sowie dass man noch die Informationen der Starkregenkarte abwarten wolle, die derzeit in Auftrag gegeben ist. „Wir sind nicht gegen das Projekt an sich, aber es ist nicht der richtige Zeitpunkt. Es kommt leider zu früh für uns“, sagte Kohl.