Närrisches Frankreich-Flair bei der BCV-Fastnacht in Birkenau
Von akrobatischen Tänzen über humorvolle Büttenreden bis hin zu Cancan-Tänzen – die Prunksitzungen des BCV begeisterten das Publikum mit einem abwechslungsreichen Programm.
Birkenau. Mit einem „Bienvenue“ hieß der Birkenauer Carnevalverein (BCV) bei seinen Prunksitzungen in der Mehrzweckhalle in Hornbach die heiße Phase der fünften Jahreszeit willkommen. Die BCV-Jecken entführten das närrische Volk in Birkenau bei den sehr gut besuchten Sitzungen mit einer Playbackshow nach Frankreich – getreu dem Motto der Veranstaltung „Der BCV macht heut’ Station, in Frankreich, der Grande Nation“. Mit Songs wie „Taxi nach Paris“ von Felix De Luxe und „Frankreich“ der Formation Bläck Fööss brachten sie die Stimmung in der Halle auf Betriebstemperatur.
Sitzungspräsident Helmut Morr begrüßte das Publikum, darunter Bürgermeister Milan Mapplassary, das Prinzenpaar des Ober-Abtsteinacher Karnevalclubs (OKACLU), Prinz Dominik I. und Prinzessin Lea I., sowie die Vertreter der weiteren Birkenauer Fastnachtskooperationen. Mit stehenden Ovationen und Narrhallamarsch hieß das Publikum die Prinzessin der Birkenauer Fastnacht, „Anna I., Sonnenschein der Grand Nation“ willkommen. Ihre Lieblichkeit drückte in ihren Grußworten ihre Freude aus, dass mit der fünften Jahreszeit auch eine gute Gelegenheit gekommen sei, die vielen bunten Facetten des Lebens zu genießen.
Nicht am falschen Ende sparen
Protokoller Nicolas Morr hatte das vergangene Jahr über genau hingeschaut – auf die Entwicklungen der Politik in der Welt, der Republik und der Kommune. Dass die Amerikaner nichts Besseres zu bieten haben als ihren aktuellen Präsidenten, der kriminell und gefährlich sei, mache ihn ebenso fassungslos wie die Tatsache, dass die Ampelkoalition in Berlin in drei Jahren nicht verstanden habe, dass man nur zusammen gut regiert. In Birkenau gelte es derweil, sich den Versäumnissen der Vergangenheit zu stellen.
Als Beispiele nannte er den Sanierungsstau, das Freibad und die hölzerne Rathausbrücke. Auch was das Ruftaxiangebot der Gemeinde angeht, forderte er dazu auf, bloß nicht am falschen Ende zu sparen.
"Coole Jungs" mit spaßiger Überraschung
Die „Coolen Jungs“ hatten mit ihrer Pantomimeshow eine spaßige Überraschung ohne Worte parat. Die Formation in blauen Ringelshirts und Baskenmütze sorgte darüber hinaus mit Tanzeinlagen zu Technobeats für beste Laune.
Ein tänzerisches Ausrufezeichen setzte Funkenmariechen Melanie Wondra mit ihrem Solotanz in der Paradedisziplin des Fastnachtstanzes. In einem lilafarbenen Gardetanzkostüm bot sie eine prima Tanzchoreographie mit akrobatischen Einlagen dar, unter denen Rad, Spagat und Mariechen-Rolle nicht fehlten.
„Mein Alter ist ein Wandersmann“, stellte Büttenrednerin Annette Schmitt fest und schilderte die erheblichen Auswirkung dieser Leidenschaft auf ihr eigenes Wohlbefinden. Schließlich begleitet sie ihren Göttergatten doch stets beim ständigen Bergehoch- und -runterlaufen im Zuge der nicht enden wollenden Wanderschaften. Bei diesen bleibe kein Weg und keine Wiese unerforscht. Wie man so etwas nur Urlaub nennen kann, fragte sich Schmitt.
In ihrer Playbackshow gingen die BCV-Hexen mit dem Publikum auf einen Wellnessurlaub. Mit Bademantel und Handtuch-Turban setzten sie Songs in Szene wie „Du die Wanne ist voll“, mit dem Helga Feddersen und Dieter Hallervorden in den 70ern einen Hit landeten. Die Tanzgruppe hatte aber auch mit Stimmungskrachern wie „Auf dem Besen an den Tresen“ von Milla Pink aktuelles Hexenliedgut parat, das sie gemeinsam mit dem Publikum zelebrierte.
Hochburg des Gardetanzes
Dass der BCV eine Hochburg des Gardetanzes ist, unterstrichen die Blauen Funken. Die achtköpfige Formation in blau-weißen Uniformen hatte eine sehr sehenswerte Choreographie mitgebracht, die sie präzise, dynamisch und stimmungsvoll auf der Bühne umsetzte. Flinke Schrittfolgen, synchrone Beinschwünge und einfallsreiche Gruppenformationspassagen gaben sich ein Stelldichein und hatten stehende Ovationen zur Folge.
Swen Kaufmann schilderte in seiner Bütt den Niedergang des Mannes seit dem Erschaffen der Welt. Einst die Krone der Schöpfung, zeige er sich inzwischen zum Jammerlappen degradiert. „Statt in der Steppe Mammuts zu jagen, schiebt er für seine Gattin nun den Einkaufswagen.“ Unmittelbar nach dem Renteneintritt habe seine Frau zu Hause die Palastrevolution vollzogen. „Nun bin ich es, der den Diener macht.“
Wenn Funkenmariechen Laura Morr vor dem Spiegel ihre Tanzfiguren übt, dann bringt das ihr Spiegelbild Nadine Wörthmüller an deren Grenzen. Die beiden Hochkaräter des BCVs – erstere in Sachen Tanzen, die andere in Sachen Comedy – sorgten als Duett mit ihrer wortlosen Aufführung für beste Unterhaltung und für Schenkelklopfer.
Asterix, Obelix und Co.
Das Männerballett reiste gemeinsam mit dem Publikum zurück in die Zeit, als ganz Gallien von den Römern besetzt war. Asterix, Obelix und Co. leisteten aber auch in Hornbach Widerstand mit tänzerischen Mitteln, als Prinzessin Anna I. beim Blumenpflücken in einen Hinterhalt der Römer geraten war. Zu Techno-Party-Hits wie „Hurra, das ganze Dorf ist da“ von der Band Dorfrocker zeigten Gallier und Römer aber schließlich, dass es auch gemeinsam geht.
Exzellente Cancan-Choreographie
Mit einem fantastischen Schlaglicht sorgte die Tanzfabrik für einen beeindruckenden Abschluss der Sitzung. Mit einer exzellenten Cancan-Choreographie und den ikonischen rot-schwarzen Tanzkostümen entführte sie das Publikum in das Pariser Cabaret Moulin Rouge, begleitete tänzerisch Prinzessin Anna I., die im silbernen Glitzeroutfit Evergreens wie „Diamonds Are Forever“ und „Diamonds Are A Girls Best Friend“ in Szene setzte.
Ihre großen Fähigkeiten rund um Tanz und Ausdruck stellte sie aber vor allem zu einem Pop-Potpourri unter Beweis, der aus Hits von Lady Gaga und Britney Spears bestand. Zu der Musik Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ – der klassischen Cancan-Musik – verabschiedete sich die Tanzfabrik im Zwei-Viertel-Takt und mit geschwungenen Röcken vom Publikum, bevor die Aktiven der Birkenauer Fastnacht beim Finale der sehr gelungenen Prunksitzungen die geselligen Stunden an der Bar einläuteten.