Weschnitztal

Schulbus-Chaos im Weschnitztal - wird es nach den Ferien besser?

Mit dem Fahrplan- und Betreiberwechsel Mitte Dezember ist es zu einigen Vorfällen gekommen. Was passiert ist und warum Schüler, Eltern und Lehrer auf Besserung hoffen können.

Mit deutlicher Verspätung oder gar nicht waren die Schulbusse seit Mitte Dezember teilweise im Weschnitztal unterwegs. Gemeinsam mit dem VRN will der Kreis nachbessern, um nach den Weihnachtsferien einen reibungsloseren Betrieb bei der Schülerbeförderung zu gewährleisten. Foto: Simon Hofmann
Mit deutlicher Verspätung oder gar nicht waren die Schulbusse seit Mitte Dezember teilweise im Weschnitztal unterwegs. Gemeinsam mit dem VRN will der Kreis nachbessern, um nach den Weihnachtsferien einen reibungsloseren Betrieb bei der Schülerbeförderung zu gewährleisten.

Schulbusse, die nicht kommen oder an wartenden Kindern einfach vorbeifahren. Mädchen und Jungen, die dem Busfahrer den Weg zu ihrer Schule erklären. Lehrer, die vergebens auf ihre Schüler warten. Eltern, die sich nicht anders zu helfen wissen, als ihre Sprösslinge selbst zur Schule zu bringen, damit sie dort pünktlich und sicher ankommen: Mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember ist bei der Schülerbeförderung im Weschnitztal das Chaos ausgebrochen. So sind zumindest die Rückmeldungen von Lehrern und Eltern zu deuten, welche die Redaktion der OZ seitdem erreicht haben.

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Aktuell sind Ferien in Hessen – Gelegenheit für alle Beteiligten, durchzuatmen und neu zu planen. Für die geplagten Schüler und Eltern besteht Grund zur Hoffnung: „Für den Schulbusverkehr wird es nach den Weihnachtsferien zum Teil Fahrplananpassungen geben, um Kinder optimaler zu befördern“, verlautet es aus dem Landratsamt in Heppenheim auf Anfrage der OZ.

Ein „Lotse“ für den Busfahrer

Was war geschehen? Am 15. Dezember hat mit der DB Regio Bus Mitte GmbH ein neuer Auftragnehmer den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im sogenannten Buslinienbündel Odenwald Mitte übernommen. Auftraggeber ist der Kreis Bergstraße, der seine entsprechenden Aufgaben als Träger des Personennahverkehrs an die Verkehrsverbund Rhein-Neckar GmbH (VRN) delegiert hat. „Leider hat der Betriebsstart nicht komplett reibungslos funktioniert“, räumt die Pressestelle des Landratsamtes ein.

Eine Formulierung, die manche Beteiligten sicher als Untertreibung empfinden. Schon zwei Tage nach der Umstellung erreichte die OZ die erste E-Mail eines Vaters aus Erlenbach. Nach seiner Darstellung war der Fahrer des Busses, der seine Tochter und andere Kinder am Morgen zur Schule bringen sollte, an der Haltestelle zunächst einfach vorbeigefahren. Nachdem er andere Kinder an einer benachbarten Schule abgesetzt hatte, glaubte er nämlich, mit seiner Tour am Ende zu sein.

Unterrichtsausfälle

Der genannte Vater stoppte den Bus per Handzeichen und erklärte dessen Lenker, dass er laut Fahrplan die dort wartenden Kinder aufnehmen und weiterbefördern müsse. Doch damit nicht genug: Der Mann berichtet, dass er selbst in den Bus mit einstieg, um dem ortsunkundigen Fahrer den Weg zu weisen. Nach Ankunft an der Schule habe sich auf einer Gesamtstrecke von sechs Kilometern eine Verspätung von 20 Minuten angehäuft. „Aus meiner Sicht kann der Busfahrer nichts für diese Situation ... und er tut mir fast schon leid, da er den Unmut der Bürger als Erstes zu hören bekommt. Er hat sich für meine Hilfe auch sehr oft bedankt und war immer höflich. Das Versagen in dieser Situation unterstelle ich der DB Regio“, schreibt der Vater in der Mail an die Redaktion.

Nicht immer und überall konnte die Situation aber auf solche Art „gerettet“ werden. Der Leiter der Schule am Katzenberg Mitlechtern/Erlenbach, Mario Schmitt Ferreira, berichtet von Bussen, die erst gar nicht gekommen sind. „Die Kinder wurden dann von Eltern mitgenommen oder sind mit dem Bus für die zweite Stunde gefahren“, schildert er. Die Folge waren neben Unannehmlichkeiten und Unsicherheiten auch Unterrichtsausfälle.

Fahrgemeinschaften gebildet

Das ist nicht nur aus pädagogischer Sicht ein Problem, erklärt die Personalrätin der Schule am Katzenberg, Marina Schaab. Da die Kinder nicht zu Unterrichtsbeginn in der Schule, aber auch nicht entschuldigt waren, mussten die Notfalllisten abtelefoniert werden. „Das ist für alle Beteiligten nicht tragbar“, sagt die Klassenleiterin in Mitlechtern. Entsprechend fallen die Reaktionen aus der Elternschaft der Ringschule aus.

Viele Väter und Mütter sind morgens selbst aus dem Haus, so dass die vom Bus nicht abgeholten Schüler auch nicht einfach den Heimweg antreten können. Die Eltern bildeten Fahrgemeinschaften, um den sicheren Transport ihrer Kinder zu gewährleisten. Eine Mutter berichtet, ihre Frage, warum der Bus ausgeblieben ist, sei vom Kreis mit dem Hinweis, „der Fahrer hat sich verfahren“, beantwortet worden. „Eine untragbare Situation“, wie die Frau findet.

Im Landratsamt ist man sich des Problems bewusst. Das bekommt die OZ auf Nachfrage bestätigt. Die Pressestelle verweist darauf, dass nicht nur der Fahrplan umgestellt wurde, sondern sich auch die Linien änderten und der Betreiber wechselte.

Deshalb sei der Start gemeinsam mit dem VRN „eng begleitet“ worden, teilweise auch durch Beobachter vor Ort. Während einige Verbesserungen sofort umgesetzt worden seien, werde an anderen „mit Hochdruck“ gearbeitet. Der Erfolg wird sich spätestens am 13. Januar zeigen, wenn in Hessen der Unterricht wieder beginnt.