Stricken ist das neue Yoga – und in Birkenau schon lange Kult
Socken, Pullover oder Saison-Must-have "Sophie Scarf": Stricken ist wieder im Trend, auch in den sozialen Netzwerken. Warum, das weiß Monika Lübker vom Strickcafé Birkenau.
Birkenau. Ob Cardigan, Kapuzenschal oder der selbst gestrickte Minischal „Sophie Scarf“ – in den sozialen Netzwerken sprengen seit Herbst des vergangenen Jahres Strickanleitungen und bunte Einzelstücke die Feeds und Storys der Netzwerknutzer – und schmücken die Hälse, Köpfe und Schultern der stolzen Trägerinnen. Es klappern also wieder die Stricknadeln, und das auch bei der Gen Z. Denn: Stricken ist wieder im Trend. Oder war es nie wirklich weg?
Wer mit dem Stricken beginnen möchte, für den hat Monika Lübker folgende Tipps:
- Es empfiehlt sich für den Anfang etwas dickere Wolle zu verwenden, damit man sich nicht so schwertut.
- Anfänger sollten sich zunächst an einem graden Stück probieren. Als erstes Strickobjekt empfiehlt sich daher ein gewöhnlicher Schal.
- Als Inspiration oder Erklärungen empfehlen sich auch YouTube-Videos. Gerne kann man auch bei dem einmal im Monat stattfindenden Strickcafé vorbeischauen und sich Rat holen.
„Gestrickt wird eigentlich immer, der Trend taucht aber in Wellen auf. Vor allem in Herbst und Winter ist es eine beliebte Beschäftigung, wenn es draußen kalt und manchmal ungemütlich ist“, sagt Monika Lübker. Sie weiß: „Handarbeit im Allgemeinen ist derzeit in. Beim Stricken gibt es zudem die Besonderheit, dass man sich etwas Modisches und Individuelles, das sonst niemand hat, zur direkten Verwendung selbst herstellen kann.“
Und damit liegt das Stricken voll im Trend. Der Branchenverband Initiative Handarbeit verzeichnet laut einer Verbraucherstudie von 2024, dass die Handarbeitsszene deutlich jünger wird. Das haben auch große Firmen in den sozialen Netzwerken erkannt. Und in vielen deutschen Städten wird gemeinsam gestrickt – in Birkenau bereits seit elf Jahren. Lübker selbst strickt seit Kindertagen und teilt ihre Leidenschaft mit 15 bis 25 regelmäßigen Teilnehmern, die sich einmal im Monat in Birkenau zum „Strickcafé“ treffen.
Eine Idee kommt gut an
Seit 2014 ist das Strickcafé fester Bestandteil im monatlichen Terminkalender der Gemeinde. Entstanden ist es seinerzeit im Rahmen des Integrierten kommunalen Entwicklungskonzepts (IKEK), als ein schnell zu realisierendes Projekt gesucht wurde und Lübker die zündende Idee dazu hatte. Seither sind mehr als 100 Treffen durchgeführt worden, an denen auch Interessierte aus der gesamten Region teilnahmen, und mehr als 900 Knäuel à 50 Gramm wurden verstrickt. Neben der Handarbeit geht es den Teilnehmern vor allem auch um den Austausch untereinander.
Das Durchschnittsalter der Teilnehmer ist das Rentenalter, „aber wir freuen uns natürlich auch über junge Strickbegeisterte“, sagt Lübker mit einem Lächeln. Die jahrzehntelange Erfahrung der Teilnehmer des Strickcafés und Stricktreffs im Allgemeinen könne ein Vorteil für Anfänger sein, denn „wir helfen gerne bei Fragen zu Techniken oder wenn es um Anleitungen geht“.
Der in den sozialen Netzwerken beliebte „Sophie Scarf“ gilt als Fashiontrend der Saison und geht auf eine dänische Strickdesignerin zurück. Er eigne sich gut für Strickanfänger, sagt Lübker, denn: „Er ist relativ einfach zu realisieren, kann individuell gestaltet werden und man hat schnell ein Erfolgserlebnis, das zum Weiterstricken animiert.“
Die routinierten Teilnehmer widmen sich hingegen eher dem Stricken von Pullovern oder Socken, was etwas mehr Erfahrung erfordert, und Mützen. Jedes Jahr stricken sie auch, um soziale Projekte zu unterstützen, wie zum Beispiel die „Onkomützen“-Initiative oder „Weihnachten im Schuhkarton“. Die strickbegeisterten Birkenauerinnen inspirieren sich gegenseitig und teilen Anleitungen. „Ich schaue auch mal gerne in die Newsletter von Wollherstellern oder in entsprechende Zeitschriften“, sagt Lübker.
„Gehäkelter Odenwald“ im Museum
Die Teilnehmer des Strickcafés stricken nicht nur für andere oder sich, sondern arbeiten auch an großen Projekten: So beteiligen sie sich an der Ausstellung „Woinem in Masche“, die anlässlich der Heimattage ab 19. März im Museum Weinheim stattfindet. Dann werden sie ihr Gemeinschaftsprojekt, den „gehäkelten Odenwald“, präsentieren. An diesem wurde rund sechs Monate lang mit der Technik des hyperbolischen Häkelns gearbeitet.
Kontakt für Interessierte
Das nächste Strickcafé findet am Donnerstag, 6. Februar, dann wieder am 6. März von 15 bis 17 Uhr in „Florians EssBar“, Hauptstraße 51, statt. Es ist keine Anmeldung erforderlich, Interessierte können einfach vorbeikommen und mitmachen, egal ob es um Stricken, Häkeln, Sticken oder Basteln geht. Weitere Informationen gibt es bei Monika Lübker (Telefon 0152/28131977), per E-Mail oder Facebok
Stricken - Eins rechts, eins links
Ein Wollknäuel, Stricknadeln, etwas Geduld – mehr brauchen Sie nicht, um bei der Kreisvolkshochschule Bergstraße ins Stricken einzusteigen. Eins rechts, eins links – mit diesen Grundtechniken stricken Sie im Nu mit zwei oder bis zu fünf Nadeln.
Der Kurs findet statt ab dem 18. Februar, sechsmal dienstags, jeweils von 18.30 bis 21 Uhr, im InFoReGen, Kalterer Straße 25, in Heppenheim. Die KVHS bittet um Voranmeldung unter der Nummer 06251 17296-0 oder über die Homepage www.kvhs-bergstrasse.de