Tag des Lokaljournalismus

„Ich liebe, was ich tue, und das wird sich auch nicht ändern“

Redakteur Stefan Jünger ist seit 35 Jahren bei DiesbachMedien beschäftigt und hat erlebt, wie sich das Arbeiten für die Zeitung verändert hat. Warum für ihn Haltung und ein eigener Stil wichtiger sind denn je.

Früher mit der Schreibmaschine heute mit Künstlicher Intelligenz: Stefan Jünger ist seit dreieinhalb Jahrzehnten Redakteur bei den DiesbachMedien. Foto: Schramm / Greinert
Früher mit der Schreibmaschine heute mit Künstlicher Intelligenz: Stefan Jünger ist seit dreieinhalb Jahrzehnten Redakteur bei den DiesbachMedien.

Weinheim. Seit 35 Jahren ist Stefan Jünger Lokalredakteur. Am 1. Mai 1991 hat er bei den DiesbachMedien angefangen. Heute ist der 61-Jährige für die Odenwälder Zeitung vor allem im Weschnitztal unterwegs – bei Vereinen, in Gemeindevertretungen, auf Sportplätzen und überall dort, wo Geschichten aus der Region entstehen.

Zwischen KI und Social Media

Wenn Jünger erzählt, wie er zum Journalismus gekommen ist, muss er lachen. „Ich hatte selbst mal eine Zeitung, die ‚Pass uff‘, und zusätzlich habe ich als freier Mitarbeiter für den Verlag gearbeitet.“ So begann seine journalistische Laufbahn. Schnell wurde ihm klar: Das Schreiben soll nicht nur nebenbei passieren. Er wollte es jeden Tag machen. Mit 25 Jahren startete er sein Volontariat bei den DiesbachMedien. In dreieinhalb Jahrzehnten hat Jünger viele Veränderungen erlebt. Der größte Unterschied zu seinen Anfangsjahren liegt für ihn auf der Hand: „Früher wurden deutlich mehr Zeitungen gelesen als heute.“ Soziale Medien spielten damals keine Rolle, schnelle Online-Nachrichten ebenso wenig. Heute ist die Medienwelt eine andere. Nachrichten sind jederzeit verfügbar, können aber auch ungeprüft verbreitet werden. Diese Entwicklung gibt ihm zu denken. „Mittlerweile kann jeder ohne Regularien Fake News verbreiten.“ Für einen Journalisten, der auf sorgfältige Recherche und verlässliche Informationen setzt, ist das schwer nachvollziehbar.

Gleichzeitig sieht er auch die Vorteile der digitalen Welt. „Jeder hat immer und überall Zugriff auf aktuelle Nachrichten. Das war früher undenkbar.“ Ähnlich zwiegespalten blickt er auf künstliche Intelligenz. Sie könne Arbeit erleichtern, werde aber auch Arbeitsplätze verändern oder überflüssig machen. Zudem stelle sich die Frage, wer KI steuert und kontrolliert. Umso wichtiger ist Jünger der eigene Ton. „Jeder sollte seinen eigenen Schreibstil entwickeln. Dadurch hebt man sich von der KI ab.“ Für ihn bleiben journalistische Grundwerte entscheidend – gerade jetzt. „Wir sind als Journalisten der Wahrheit verpflichtet, und das darf sich auch mit künstlicher Intelligenz nicht ändern.“

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„Ich liebe, was ich tue“

Trotz allem Wandel sieht Jünger die digitalen Veränderungen auch als Herausforderung. Der Druck auf Redaktionen sei größer geworden, die Arbeit schneller, die Erwartungen an Artikel vielfältiger. Doch seinen Spaß am Schreiben hat er nie verloren. „Ich liebe, was ich tue, und das wird sich auch nicht ändern.“ In der Redaktion ist Jünger nicht nur ein erfahrener Kollege, sondern auch jemand, der ein offenes Ohr hat. Er hört zu, gibt Tipps, teilt Erfahrungen, auch die, die nicht perfekt gelaufen sind. Nach 35 Jahren weiß er, worauf es im Lokaljournalismus ankommt. Dieses Wissen gibt er gerne weiter. „Ich würde jedem Kollegen und gerade den jüngeren raten, ihren eigenen Weg zu gehen und auch die Erfahrung älterer Redakteure in Anspruch zu nehmen.“ Voneinander zu lernen, ist für ihn eine wichtige Fähigkeit im Journalismus. Sein Blick auf die Redaktion der DiesbachMedien ist geprägt von Zusammenhalt. „Wir haben es all die Jahre geschafft, eine gute Zeitung zu machen und uns nie unterkriegen zu lassen.“ Für die Zukunft hat der Redakteur einen Wunsch, der viel über seine Verbundenheit mit Beruf und Redaktion sagt: „Dass wir alle weitermachen können.“

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