Handball

S3L bringt die Heinrich-Beck-Halle zum Kochen

Saase3Leutershausen zieht dem Tabellendritten aus Köln mit einer herausragenden Teamleistung den Zahn. Schwarzer trifft in der Schlusssekunde ins Schwarze

Hannes Weindl war mit neun Treffern erfolgreichster Schütze von Saase3Leutershausen. Gegen den Drittliga-Dritten aus Köln überzeugte die S3L aber mit einer herausragenden Teamleistung. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Hannes Weindl war mit neun Treffern erfolgreichster Schütze von Saase3Leutershausen. Gegen den Drittliga-Dritten aus Köln überzeugte die S3L aber mit einer herausragenden Teamleistung.

Leutershausen. Primetime am Samstagabend in der Heinrich-Beck-Halle. Und da bekamen die 400 Handballfans alles zu sehen, was diesen Sport so attraktiv macht. Inklusive eines Heimsiegs über den Tabellendritten der 3. Bundesliga in der letzten Sekunde. Nach dem 29:28 von Fabian Schwarzer rannte der Sportliche Leiter Tom Zahn jubelnd aufs Feld, umarmte Passgeber Maximilian Kessler. Dass den wenigen verbliebenen Akteuren von Saase3Leutershausen nach dieser Energieleistung heute jeder Knochen wehtun dürfte, war direkt nach dem Schlusslicht allen egal.

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„Heute hat man gesehen, was man gemeinsam mit Kampf alles erreichen kann. Wir haben die letzten Reserven zusammenkratzt und eine sehr gute Abwehr gespielt“, sagte Hannes Weindl, der als Spielmacher Unterstützung des genesenen Max Preller hatte. Ansonsten sah es im S3L-Rückraum mau aus. Sven Schreiber ist der letzte verbliebene Aufbauspieler. Bastian Seitz half der zweiten Mannschaft beim Regionalliga-Spiel in Plochingen aus.

Rechtsaußen Lucas Bauer rückte gemeinsam mit Tobias Schetters in den rechten Rückraum, Luca Mastrocola war ebenso wenig wie Leon Keller rechtzeitig fitgeworden. Und auch Abwehrchef Niklas Krämer fiel krank aus. Dafür ackerte Tim Burkard am Kreis durch. Der sorgte für eine Schrecksekunde, als er nach einer Abwehraktion ausgewechselt werden musste. „Verletzen war heute aber verboten, das haben wir auch Tim gesagt. Und bei der Leistung, die wir heute abgerufen haben, vergisst man für die Zeit des Spiels auch mal den Schmerz“, atmete Weindl kurz nach dem Dank des Teams ans Publikum tief durch.

Der Blick auf die Auswechselbank sagte alles: Gerade einmal zwei Spieler in gelb-rotem Trikot hatten Platz genommen. Die Spielgemeinschaft pfeift personell aus dem letzten Loch. Dass das letzte Aufgebot nach anderthalb Stunden in der Heinrich-Beck-Halle dann doch zum Jubelgesang anstimmte, war das Ergebnis einer überragenden Teamleistung, an der auch die begeistert mitgehenden S3L-Fans ihren Anteil hatten. „Das war das beste Saisonspiel bislang“, befand Leutershausens Edelfan Alois Schickl nach dem Schlusspfiff. Es war in jedem Fall ein Heimsieg, den die Mannschaft unbedingt wollte und den sie sich redlich verdient hatte.

Matchplan geht auf

S3L-Trainer Thorsten Schmid hatte seinen Jungs einen guten Matchplan mit auf den Weg gegeben: mit minimierter Fehlerquote geduldig die Angriffe ausspielen und falls möglich Kraft sparen für die fordernde Abwehrarbeit. Zeit zum Ausruhen gab es aufgrund der Personaldecke schließlich keine. Das funktionierte, bis auf wenigen Ausnahmen bei einfachen Longericher Auflöseaktionen an den Kreis hatte die Defensive die Kölner Gäste gut im Griff. Weil auch S3L-Torwart Sebastian Ullrich hinter Schetters, Schreiber, Weindl, Burkard&Co. mit 14 Paraden ein starkes Spiel machte, erkämpfte sich S3L schon zur Pause die Führung, nachdem die Gastgeber zwei Minuten zuvor noch 12:14 zurückgelegen hatten. Der Ballgewinn in der Defensive und das 15:14 von Sven Schreiber ins leere Tor sorgte für das nötige Adrenalin in der Kabine.

Mit unglaublichem Wille kehrten die Bergsträßer dann auch aufs Parkett zurück, führten schnell 18:14 (34.) und gaben diese Führung auch nicht mehr aus der Hand. Erst eine offene Manndeckung der Kölner in den letzten fünf Minuten ließen Mannschaft und Fans zittern. Aus dem komfortablen 26:22 machte Longerich das 28:28. Schmid nach 17 Sekunden vor Schluss die Auszeit. Vorne verwarf zunächst Schetters am Kreis, die Schiedsrichter entscheiden auf Foul und Freiwurf. Den führte Kessler gedankenschnell auf Schwarzer aus. Der Rest war Jubel.

„Ich muss der Mannschaft einfach ein Riesenkompliment machen. Wenn man es schafft, in einer solchen Situation gegen einen so starken Gegner zu gewinnen, ist das unglaublich fantastisch“, freute sich Schmid.