Fußball

Wo ist der "Killerinstinkt" bei der KSG Mitlechtern?

Die KSG Mitlechtern schießt im Kampf um den Klassenerhalt zu wenig Tore. Trainer Ronny Sauer erklärt, woran das liegt, und spricht auch über zwei Neuzugänge in der Winterpause.

Auch wenn es nicht immer wie gewünscht lief, stand die Mannschaft der KSG Mitlechtern doch immer zusammen. Bild: Fritz Kopetzky Foto: Fritz Kopetzky
Auch wenn es nicht immer wie gewünscht lief, stand die Mannschaft der KSG Mitlechtern doch immer zusammen. Bild: Fritz Kopetzky

Die Situation ist nicht neu für Trainer Ronny Sauer: Bereits in der vergangenen Saison ging es für die KSG Mitlechtern um den Klassenerhalt in der Fußball-Kreisoberliga. Nur der TV Lampertheim plant schon für die A-Liga, dagegen trennen SSG Einhausen, Sportfreunde Heppenheim, FC Ober-Abtsteinach und Mitlechtern lediglich ein Punkt. Die KSG holte in 18 Spielen 14 Punkte bei einem Torverhältnis von 24:49. Wir sprachen mit Ronny Sauer (43, der bereits für die nächste Saison verlängert hat, über die Situation im „grünen Lager“.

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Ronny Sauer hat als Trainer der KSG Mitlechtern verlängert. Foto: Ernst Lotz
Ronny Sauer hat als Trainer der KSG Mitlechtern verlängert.

Herr Sauer, stellt der derzeitige Platz 13 zufrieden? Immerhin steht Ihre Mannschaft damit über dem Strich.

Ronny Sauer: Prinzipiell wären wir am Ende der Saison mir einer Platzierung über dem Strich zufrieden. Ich erhoffe mir aber natürlich eine Leistungssteigerung, um die hinteren Plätze baldmöglich verlassen zu können. Wir haben leider einige Spiele aufgrund der mangelnden Chancenauswertung unglücklich liegenlassen. Dazu wurden wir doch sehr stark durch das Verletzungspech und Abwesenheiten mancher Spieler zurückgeworfen.

Mit vier Niederlagen und der Absage gegen den SV Fürth ging es in die Winterpause. Wie eng ist der Kader?

Sauer: Die letzten Spiele wurden teilweise mit dem letzten Aufgebot bestritten und gipfelten dann mit einer Absage in Fürth. Dies hat sehr wehgetan, weil niemand gerne Spiele abschenkt und schon gar nicht ein Derby. Wir hatten jedoch bereits vor dem Spiel nur noch zwölf Mann auf dem Papier, wovon zwei Spieler sich versucht hätten, mit Zerrungen durchzukämpfen. Als dann plötzlich noch zwei kranke Spieler und ein Arbeiter hinzukamen, blieb uns leider keine Wahl, als den Versuch zu starten, kurzfristig zu verlegen. Dies wurde uns aber leider abgelehnt, weshalb wir diese folgenschwere Entscheidung treffen mussten.

Der SV Fürth war nicht erfreut.

Sauer: Ich kann verstehen, dass es aufseiten des SV Fürth auf Unverständnis trifft, wenn am gleichen Tag aber dann die 1b-Mannschaft spielt. Man muss aber auch bedenken, dass wir eine Spielgemeinschaft mit dem FC Fürth haben und wir diesem entsprechend verpflichtet sind. Unsere Spieler abzuziehen, hätte zur Folge gehabt, dass die 1b abgesagt werden muss. Da dies aber bereits vorher einmal geschehen ist, war dies keine Option.

Was hat Ihnen gut gefallen?

Sauer: Positiv ist einiges zu nennen. Wenn ich mir die Spiele so anschaue, dann ist offensichtlich, dass meine Mannschaft keine Spiele abschenkt und immer in der Lage ist. auch am Schluss noch mal zuzulegen. Sie machte in vielen Spielen einen sehr fitten Eindruck. Auch dass sie mit ständig veränderten Umständen – Verletzungen, Krankheit oder Arbeitern – nie klagte und die Spiele so annahm, ist positiv zu bewerten.

Nicht zuletzt hat Ihre Mannschaft mit Simon Eckert, der kürzertritt, den Kopf verloren.

Sauer: Er war über viele Jahre das Aushängeschild und einer der besten Spieler der Liga. Dies zu kompensieren, ist nahezu unmöglich. Trotzdem hat sich die Mannschaft der Herausforderung gestellt und einige sehr gute Spiele gezeigt. In diesen haben wir uns auch massig Chancen herausgespielt. Gerade beim Spiel mit dem Ball haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht und stellen teilweise auch sehr starke Mannschaften ab und an vor Probleme.

Es wurden aber zu wenige Punkte geholt.

Sauer: Uns hat einfach der Killerinstinkt vor dem Tor gefehlt. Wir vergeben hundertprozentige Chancen teilweise kläglich. Das ist dann auch für die Mannschaft teilweise frustrierend, wenn Du permanent einen großen Aufwand betreibst und dann klarste Chancen nicht über die Linie gedrückt bekommst. Auf der anderen Seite haben wir dann aber auch immer wieder zu einfache, individuelle Fehler, welche Du Dir in der Kreisoberliga nicht erlauben darfst. Wenn Du die Chancen nicht machst und dem Gegner oft den Ball so hinlegst, dass er ihn nur noch einschieben muss, dann löst das auch eine Art der Frustration bei den Spielern aus. Hier gilt es anzusetzen. Die einfachen Fehler müssen abgestellt werden, sonst wird es sehr schwer, die Klasse zu halten.

Mitlechtern schießt zu wenig Tore?

Sauer: Ja, definitiv. Das liegt aber weniger daran, dass wir, wie gesagt, uns keine Chancen erspielen. Das Ganze ist aber auch ein stückweit erklärbar. Vor der Runde ist uns mit Kevin Kalt bereits ein Stürmer ausgefallen, welcher noch kein Spiel absolvieren konnte. Gerade als es lief, fielen uns auf einen Schlag unser damaliger bester Torschütze Felix Hohrein und dann noch Pascal Eisele aus. Dies war in der Summe nicht mehr aufzufangen. Fortan versuchten wir es mit Spielern, welche ihre Stärken eigentlich auf anderen Positionen besitzen. Durch die gezwungenermaßen vielen Umstellungen in der Mannschaft kamen wir dann etwas aus dem Tritt und taten uns fortan schwer mit dem Toreschießen. Mit Finn Renkewitz und Clemens Kilian haben wir zudem sehr junge Spieler in unseren Reihen, denen allerdings noch etwas die Erfahrung fehlt. Permanente personelle Änderungen in der Startelf wünscht sich kein Trainer, waren aber am Schluss nicht mehr anders machbar.

Welche Spieler sind aufgefallen bzw. haben sich gut entwickelt?

Sauer: Es ist generell unser Ziel, junge Spieler für die Herausforderung Kreisoberliga zu entwickeln. Bereits letztes Jahr haben wir mit Luca Knecht und Simon Fetsch zwei Spieler aus der eigenen Jugend bekommen. Während Luca schon viele Spiele machen konnte, hatte sich Simon leider Mitte des Jahres sehr schwer am Knie verletzt. Vor dieser Saison haben wir mit Philippas Schmitt, Max Dippel, Finn Renkewitz und Luca Schuster wieder Spieler aus der eigenen Jugend dazubekommen. Bis auf Luca haben alle bereits einige Spiele von Anfang an gemacht und auch teilweise tolle Leistungen gezeigt. Auch im Sommer werden wir wieder von der Jugendarbeit im Verein profitieren. Bereits in der Hinrunde kam schon Jannis Hirsch zum Einsatz und hat sein Potenzial angedeutet. Mit Gianluca Müller haben wir außerdem vom FSV Rimbach einen Spieler dazubekommen, der sich sehr schnell in der Kreisoberliga eingefunden und einige Vorlagen und Tore geliefert hat. Felix Hohrein war bis zu seiner Verletzung unverzichtbar und ließ mit einigen Toren aufhorchen.

Hast sich bei der KSG Mitlechtern personell etwas in der Winterpause getan?

Sauer: Zunächst ist positiv zu erwähnen, dass wir mit Kevin Kalt und Simon Fetsch nach Verletzung wieder zwei Spieler zurückbekommen, welche diese Saison noch kein Spiel machen konnten. Zusätzlich werden mit Steffen Schmitt und Luca Schuster ebenfalls zwei weitere Spieler nach Ausfällen wieder zurückkehren. Im letzten Spiel fehlten zudem Christian Bitsch, Laurin Schneider, Christoph Schneider und Jens Klein, sie kehren alle wieder zurück. Wir freuen uns außerdem, dass wir mit Jason Behrman vom SV Fürth einen Stürmer dazugewinnen können. Sein Kopfballspiel und seine Schnelligkeit werden uns vorne sicher weiterhelfen. Es ist toll, dass es mit dem Wechsel geklappt hat. Es hat von Anfang an gepasst. Des Weiteren sind wir glücklich, uns von der SG Unter-Abtsteinach mit Maurizio Müller verstärken zu können. Wir waren bereits im Sommer in sehr guten Gesprächen mit ihm und freuen uns, dass er sich jetzt für uns entschieden hat. Mauro ist für die linke Seite geplant. Seine Passsicherheit, seine Übersicht und seine Flanken werden uns weiterhelfen. Er ist sehr ehrgeizig und freut sich auch darauf, mit seinem Bruder Gianluca wieder zusammenzuspielen. beg